Dtsch Med Wochenschr 2020; 145(07): 489
DOI: 10.1055/a-1106-5053
Leserbrief

Zum Beitrag „Ambulant erworbene Pneumonie“

Pramod M. Shah

Die kurze Übersicht von Herrn Rohde über „Ambulant erworbene Pneumonie“ fasst den aktuellen Kenntnisstand gut zusammen [1]. Er weist auf die Möglichkeit des Erregernachweises durch den Urin-Antigen-Test für Pneumokokken (Sensitivität und Spezifität 67–82 % bzw. 97 %) und Legionellen (Sensitivität und Spezifität 75 % bzw. 99–100 %) hin [2]. Die Spezifität und Sensitivität dieser Tests sind sehr gut und sie können ohne großen Aufwand in jeder ambulanten Praxis und Aufnahmestation durchgeführt werden. Bei positivem Ergebnis kann die initiale Therapie sofort eingeleitet werden. Fällt der Test auf Pneumokokken-Antigen positiv aus, sollte die Therapie mit Penicillin G bzw. Penicillin V durchgeführt werden. In einer retrospektiven Analyse von in Dänemark behandelten Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie war Streptococcus pneumoniae sowohl im Sputum als auch in Blutkulturen der häufigste Erreger [3]. Die Monotherapie mit Penicillin G/V war in diesem Kollektiv nicht mit einer höheren Versagerrate assoziiert. Nach ARS (Datenbank Antibiotic Resistance Surveillance am Robert-Koch-Institut) waren nur 65 von 4532 (= 1,4 %) S.-pneumoniae-Stämmen 2018 in Deutschland gegenüber Penicillin resistent [4]. Somit ist Penicillin G/V die korrekte kalkulierte Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie. Breitspektrumantibiotika wie Aminopenicilline in Kombination mit Betalaktamasehemmern, Cephalosporinen oder Fluorchinolonen sind in dieser Situation nicht erforderlich.



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Article published online:
01 April 2020

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